Nähen kann das Bedürfnis 
nach schöner Kleidung erfüllen 
ohne dabei unseren Planeten zu vergiften, knappe Wasserressourcen zu verschwenden und ärmere Menschen auszubeuten

Wusstest Du, dass über 90% aller Textilien, die du in Deutschland kaufen kannst, in asiatischen Ländern wie China, Bangladesch oder Indonesien produziert werden?

Das gilt sowohl für Kleidung, Möbelbezüge und Haushaltstextilien als auch für die Stoffe und Garne, die wir privat an unseren Nähmaschinen vernähen.


Auch wenn Stoffe zum Teil aus deutschen oder europäischen Webereien bzw Strickereien stammen, haben sie bereits viele Tausend Kilometer Reise hinter sich. 

 Hauptproduzenten der Baumwollfasern für unsere Stoffe sind China und Indien mit einem Erntevolumen von jeweils über 6 Mio. Tonnen Baumwolle pro Jahr, gefolgt von den USA mit etwa 3 Mio. Tonnen pro Jahr. 

Baumwolle ist eine für Krankheiten und Schädlinge anfällige Pflanze. 

Für kein anderes landwirtschaftliches Anbauprodukt werden so viele Pflanzengifte eingesetzt wie für Baumwolle.

Obwohl Baumwolle nur auf 2,5 % der weltweit verfügbaren landwirtschaftlichen Nutzfläche angepflanzt wird, werden 16 % aller Insektizide auf Baumwolläckern verspritzt. In Indien, dem zweitgrößten Baumwollproduzenten der Welt, gehen mehr als die Hälfte aller Pestizide in den Baumwollanbau, obwohl dieser nur 5% der landwirtschaftlichen Nutzfläche einnimmt.

99 % der Baumwollbauern leben in Entwicklungsländern und produzieren 75 % der weltweiten Baumwollernte. 

Der Pestizideinsatz macht viele Bauern krank und das Einkommen reicht in den meisten Fällen gerade zum Überleben. 

Zu den Symptomen einer akuten Pestizid-Vergiftung zählen Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit, Bewusstlosigkeit, Atemnot, Schlaflosigkeit, Hautirritationen, Durchfall, Herzrhythmusstörungen und Krämpfe bis hin zum Tod. Langzeitwirkungen von Pestiziden sind Schädigungen des Nervensystems, des Hormonhaushalts, des Reproduktions- und des Immunsystems. 

Nach Schätzungen der WHO sterben weltweit pro Jahr 20.000 Menschen an Pestizidvergiftung in der Landwirtschaft.

98 Millionen Kinder müssen weltweit in der Landwirtschaft arbeiten. 

Auch beim Anbau und der Ernte von Baumwolle ist Kinder- und Zwangsarbeit in vielen Ländern traurige Realität.

Die jüngsten sind gerade mal 6 Jahre alt, gearbeitet wird bis zu 12 Stunden täglich, 7 Tage die Woche. Viele Kinder werden mit der Versprechung auf Geld aus ihrem armen Elternhaus auf die Felder gelockt. Ohne jegliche Rechte können sie nur hoffen, dass sie am Ende der Saison nicht mit leeren Händen dastehen und wenigstens einen Teil des versprochenen Lohns ausbezahlt bekommen. Andere Kinder werden von ihren verzweifelten Eltern selbst in die Schuldknechtschaft auf die Baumwollplantagen geschickt. Gewalt durch die Arbeitgeber und gesundheitliche Beschwerden durch die körperlich harte Arbeit und den Kontakt mit Pflanzengiften sind alltägliche Realität der "Kindersklaven".

Baumwolle ist außerdem eine durstige Pflanze. 

10.000 Liter an wertvollem Süßwasser pro 1 kg Baumwolle geht für die Bewässerung der Baumwollplantagen verloren.

Ein besonders trauriges Beispiel für die dramatischen Folgen des industriellen Baumwollanbaus ist die Geschichte des Aralsees. Bis 1960 galt der Aralsee als viertgrößtes Binnenmeer der Welt. Mit einer Fläche von knapp 68.000 km² war er fast so groß wie Bayern. Heute erstreckt sich der See nur noch über etwa 21.000 km² - 70 Prozent des Sees sind ausgetrocknet. Grund für das Austrocknen des Aralsees ist die intensive Bewässerungslandwirtschaft in der Region. Vor allem für den Baumwollanbau werden die Zuflüsse des Aralsees umgeleitet. 

Für die weitere Verarbeitung der Rohfasern werden zahlreiche Chemikalien eingesetzt. 

 3500 krebserregende, hormonell wirksame oder anderweitig giftige Chemikalien setzt die Textilindustrie ein, um Rohmaterialien zu bunt bedruckten Stoffen zu verarbeiten.

Viele dieser Chemikalien findet man nicht nur im Umfeld der Fabriken, sondern inzwischen rund um den Globus - in der Küstenluft von Südafrika, der Leber von Eisbären und in der Muttermilch. 

Einmal freigesetzt, reichern sich viele von ihnen in der Umwelt an - in Flüssen, Meeren, im Boden und in Pflanzen. Zum Teil werden die Substanzen um die halbe Welt transportiert und kontaminieren Ökosysteme weit entfernt von ihrer Einleitungsquelle. Man bezeichnet sie als persistent. Einige Stoffe sind bioakkumulativ und können sich in Blut, Organen oder im Gewebe von Lebewesen anreichern und der Gesundheit schaden.

Die Textilindustrie ist nach der Ölindustrie der zweitgrößte Umweltverschmutzer was die Verwendung hochgiftiger Chemikalien und deren Freisetzung in unsere Gewässer und unsere Atemluft angeht.

Die Extraktion und Raffination von Erdöl für die Herstellung synthetischer Fasern spielt hier ebenfalls eine Rolle.

Polyesterbekleidung ist insofern besonders problematisch, denn sie verschmutzt Flüsse und Meere sogar, wenn sie nur getragen wird, wobei ein einziges Kleidungsstück bis zu eine Million Mikroplastikfasern in nur einer Wäscheladung freisetzt. 

(Die Verschmutzung durch derartige Fasern ist aber nur ein Aspekt des viel größeren Problems, das Mikroplastik im Ozean darstellt.)

Jede/r Deutsche kauft im Durchschnitt etwa 60 neue Kleidungsstücke pro Jahr und trägt diese halb so lange wie vor 15 Jahren.

Außerdem werden im Laufe des Jahres über 30 Millionen Meter Stoff an deutsche Hobbynäherinnen verkauft.

Gleichzeitig werden jährlich in Deutschland ungefähr 1,3 Millionen Tonnen Kleidung entsorgt. 

Das heißt sie wird aussortiert, zum Kleidercontainer gebracht, im Second Hand Shop abgegeben oder in den Hausmüll geworfen.

In der Modeindustrie ist es zudem üblich Ware, die sich nicht verkauft, zu zerstören.

Die schwedische Billigkette Hennes & Mauritz (H&M), genau wie andere bekannte Modemarken  liefern Mode, die unverkäuflich ist, an Heizkraftwerke um sie verbrennen zu lassen.

Es werden also täglich hektoliterweise hochgiftige Chemikalien in die Böden unserer Erde eingebracht und in Flüsse, Seen und Meere eingeleitet, sodass sie sich über den Wasserweg, die Atemluft und die Nahrungskette um den ganzen Globus verteilen.

Gleichzeitig werden unvorstellbare Menge an Trinkwasser verwendet, sodass ganze Seen austrocknen, Landstriche unbewohnbar werden, Menschen verhungern und Tiere aussterben.

Das alles um Stoffe und Kleidung für den europäischen Markt herzustellen, zu einem Preis, der nur durch Kinderarbeit, Ausbeutung von ärmeren Menschen, Zwangsarbeit und moderne Sklaverei möglich ist. 

Wir Deutschen haben im vergangenen Jahr 2019 über 65 Milliarden Euro für Kleidung aus diesen Produktionen ausgegeben.

Und die deutschen Hobbyschneiderinnen haben mit ihrem Einkauf von Stoffen im Wert von 450 Millionen Euro diese lebensverachtende Textilindustrie unterstützt.

Zum Glück gibt es aber Alternativen von Firmen, die versuchen verantwortungsvoll und umweltbewusst zu handeln.

Es gibt immer mehr Anbieter, die Stoffe mit dem GOTS - Siegel handeln.

Lillestoff, Albstoffe, Lebenskleidung und C Pauli sind nur einige davon 🧵💚♻️🌍

Der Global Organic Textile Standard (GOTS) ist als weltweit führender Standard für die Verarbeitung von Textilien aus biologisch erzeugten Naturfasern anerkannt. Auf hohem Niveau definiert er umwelttechnische Anforderungen entlang der gesamten textilen Produktionskette und fordert gleichzeitig die Einhaltung von Sozialkriterien.

Wenn Dir deine eigene Gesundheit und die Gesundheit deiner Kinder und unseres Planeten am Herzen liegt, solltest du beim Kauf neuer Stoffe unbedingt darauf achten, dass sie das GOTS Siegel tragen.

Auch wenn du den Wunsch hast mit deinem Einkauf Unternehmen zu unterstützen, die unsere Böden während der Produktion nicht unnötig belasten, unser Wasser und unsere Atemluft rein halten, dann solltest du im Stoffladen immer auf das GOTS Siegel achten. 

Noch schonender für die Umwelt und beflügelnder für unsere Kreativität beim Nähen ist allerdings gebrauchte Kleidung und das Thema ReDesign.

Warum gerade  Secondhand Mode so nachhaltig ist? 

Die Antwort liegt auf der Hand:  Gebrauchtwaren sind bereits unzählige vorhanden, müssen  nicht mehr produziert werden und belasten die  Natur so noch weniger als es fair hergestellter Mode oder Stoffe durch die Verwendung  natürlicher und umweltfreundlicher Materialien überhaupt gelingen kann. 

Kauft man Kleidung aus zweiter Hand wird weder die Produktion  angekurbelt, noch werden neue Rohstoffe benötigt, geschweige denn  Umweltgifte verwendet. 

Der bestehende Verschleiß wird verlangsamt und  die Belastung von Mensch und Umwelt gesenkt. 

Upcycling oder ReDesign bedeutet sich Kleidungsstücke aus einer anderen Perspektive anzusehen. 

Was passiert, wenn ich ein Teil umdrehe, wende, verknote, etwas herausschneide oder hinzufüge? 

Diese spannenden Fragen zu beantworten macht unglaublich Spaß und ist jedes Mal eine kreative Entdeckungsreise. 

Mit den entsprechenden Nähkenntnissen sind den Möglichkeiten für die Erstellung von neuen Lieblingskleidungsstücken aus alter Kleidung absolut keine Grenzen gesetzt. 

Als weitere Vorteile kommen natürlich die enorme Kostenersparnis und der riesige Spaß beim Second Hand Shopping hinzu.

Dass alte Kleidung außerdem oft Knöpfe, Reißverschlüsse, andere Accessoires und vor allem Stoffe mitbringt, die du garantiert in keinem Nähgeschäft kaufen kannst, sorgt dabei für viele freudige Überraschungen.

Auch Designelemente, die Dir keine handelsübliche Nähanleitung zu einem Schnittmuster verraten würde, findest du an Kleidung aus zweiter Hand.

Das Auftrennen und Auseinandernehmen dieser Teile birgt ungeahnte Erkenntnisse über die Anfertigungsmöglichkeiten schöner Kragen, versteckter Taschen, verdeckter Knopfleisten und vielen anderen raffinierten Details.